Straße der Synagoge

2008 schlug die Geschichtswerkstatt Duderstadt den Fraktionen im Stadtrat vor, die Christian-Blank-Straße in Straße der Synagoge umzubenennen. Keine der Ratsfraktionen reagierte darauf.
Das Schreiben an die Ratsmitglieder lautete:
„Am 27. Januar 2009, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, wird auch in Duderstadt wieder an den Holocaust erinnert werden. Im vergangenen Jahr, zum 70. Jahrestag des Pogroms am 9./10. November 1938, wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass die terrorhaften Ausschreitungen 1938 als Wendepunkt der Verfolgung der Juden im „Dritten Reich“ zu verstehen sind. War bis dahin deren Unterdrückung weitgehend im Rahmen ns-staatlichen Un-Rechts vollzogen worden, wurden Juden nunmehr völlig rechtlos. Ihr Eigentum, ihre restlich verbliebene Freiheit, ihre Gesundheit, ihr Leben wurden staatlich organisiert straflos angetastet. Die Flammen der in Duderstadt wie anderswo in Brand gesteckten Synagogen waren somit Vorzeichen der Feuer von Scheiterhaufen und Verbrennungsöfen in den Vernichtungslagern des NS-Staats.

Die jüdische Synagoge in Duderstadt. – Quelle: Stadtarchiv Duderstadt
Dass es in Duderstadt früher eine große Synagogengemeinde gab, die zum kulturellen Reichtum der Stadt beitrug, gehört ebenso zu den Denkwürdigkeiten der Duderstädter Geschichte wie die gewaltsame Vernichtung dieses jüdischen Lebens, woran das Gedenken am 27. Januar erinnern soll. Deshalb nehmen wir den bevorstehenden Gedenktag zum Anlass, Ihrer Fraktion vorzuschlagen und sie zu bitten, den Gedanken, die Christian-Blank-Straße in Straße der Synagoge umzubenennen, zu erwägen und als Antrag – vielleicht sogar als gemeinsamen Antrag aller Fraktionen – in den Ortsrat und den Stadtrat Duderstadt einzubringen. Der Name „Straße der Synagoge“ wäre neben Denkmälern und Hinweistafel das weitaus wirkungsvollste Mittel, die unerlässliche Erinnerung an beides, an das jüdische Leben in Duderstadt und an seine Vernichtung, in den Alltag des Daseins in unserer Stadt und damit in aller Bewusstsein zu heben.
Durch unseren Vorschlag sollen die Verdienste des Zentrums- und CDU-Politikers Christian Blank keineswegs geschmälert werden. Es ist aber unzweifelhaft, dass das Judentum in Duderstadt, welches in der Synagoge in der Christian-Blank-Straße seinen baulichen Ausdruck fand, und der Holocaust, also auch die Ermordung jüdischer Duderstädter Einwohner, historisch denkwürdiger sind als der Umstand, dass Christian Blank in der derzeit nach ihm benannten Straße wohnte. An Christian Blank könnte auch auf andere Weise, z. B. durch eine Hinweistafel an seinem Wohnhaus, erinnert werden.“
