Denkmal des Gymnasiums

Antrag der Geschichtswerkstatt Duderstadt
an den Landkreis Göttingen,
bei der Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt
ein zum Frieden mahnendes Denkmal aufstellen zu dürfen

 

Sehr geehrter Herr Landrat!

Hiermit beantragen wir, im Zentrum der Rasenfläche des Denkmals für die in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts getöteten Lehrer und Schüler des Duderstädter Gymnasiums vor der heutigen Astrid-Lindgren-Schule in der Christian-Blank-Straße in Duderstadt einen zusätzlichen Stein mit einer Friedenstaube und dem Wort „Frieden“, eventuell in mehreren Sprachen, aufstellen zu dürfen. Die Kosten dafür werden wir mit Hilfe von Spenden aufbringen.

Begründung:

Das Denkmal für die in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts getöteten Lehrer und Schüler des Duderstädter Gymnasiums befindet sich in gepflegtem Zustand in der Christian-Blank-Straße vor der Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt. Es trägt auf seinem Hauptstein einen Vers des römischen Dichters Horaz als Inschrift: Dulce et decorum est pro patria mori – also: Es ist süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben. Dazu, das Christliche und das Nationale eng verbindend, ein Kreuz mit Trauerflor und darüber ein Adler, der einen Lorbeerkranz im Schnabel trägt. Der lateinische Spruch wird auf weiteren Steinen daneben in deutscher Sprache ergänzt durch den Zusatz „Den Lebenden zum Vorbild“ und durch Bronzetafeln mit den Namen der Toten.



Erinnerung an die in zwei Weltkriegen getöteten Lehrer und Schüler des Duderstädter Gymnasiums – ein Denkmal des Militarismus und Revanchismus vor der heutigen Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt.

Hierbei handelt es sich nicht um ein rein historisches Monument. Opfer und Täter der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges leben immer noch unter uns, ebenso wie engste Familienangehörige der Toten jener Zeit. Unsere Gegenwart wird spürbar von den Kriegsfolgen mitbestimmt. Es handelt sich somit immer noch um ein Denkmal zur Geschichte unserer Zeit.

Der Opfer von Kriegen, auch der ums Leben gekommenen Soldaten in Trauer zu gedenken, ist grundsätzlich angemessen. Entscheidend ist jedoch, in welcher Form das geschieht. An den Inschriften des sogenannten Ehrenmals in der Christian-Blank-Straße ist nichts wahrhaftig und wahr. Dieses Denkmal entstand 1923 aus einer revanchistischen, militaristischen und antidemokratischen Geisteshaltung heraus. Dennoch wurde seine Tradition nach 1945 weiter gepflegt und auf die Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg getöteten Lehrer und Schüler des Gymnasiums ausgeweitet. Auch ihnen ist bei diesem Denkmal der Horaz-Spruch und die Mahnung „Den Lebenden zum Vorbild“ zugeschrieben. Doch die Kriegsziele des deutschen Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg waren nicht ehrenwert. Und im Zweiten Weltkrieg für Verbrechen des Dritten Reiches, also für die Unterwerfung und Ausbeutung anderer Staaten und Völker, für die Vernichtung der europäischen Juden gekämpft zu haben (und sei es über die wahren Absichten getäuscht und in gutem Glauben), kann noch weniger als ehrenvoll und vorbildlich dargestellt werden. Jenes Denkmal, welches dies dennoch tut, vermittelt daher ein falsches Geschichts- und Weltbild. Das beinhaltet auch, es missbraucht die Namen der Toten für seine politischen Zwecke. Sie werden nicht, wie vorgegeben wird, geehrt, sondern in Wahrheit wird ihr schlimmes Schicksal missachtet. Ihr grausamer Tod sei süß gewesen. Das müsste ihnen wie Hohn erscheinen.

Das Denkmal vor der Astrid-Lindgren-Schule steht auf dem Schulgrundstück selbst. Daher ist auch das Niedersächsische Schulgesetz zu beachten. Dieses schreibt in § 2 vor, die Schulen sollen „die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage des Christentums, des europäischen Humanismus und der Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen Freiheitsbewegungen weiterentwickeln“ und sie unter anderem dazu befähigen, „den Gedanken der Völkerverständigung, insbesondere die Idee einer gemeinsamen Zukunft der europäischen Völker, zu erfassen und zu unterstützen und mit Menschen anderer Nationen und Kulturkreise zusammenzuleben“. Dazu ist dieses Denkmal trotz des verwendeten Kreuzzeichens nicht geeignet, da es weder christliche noch humanistische Werte und auch nicht Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen Freiheitsbewegungen vermittelt, sondern im Gegenteil den Kampf für unchristliche, inhumane und Freiheit unterwerfende Ziele in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts verherrlicht. Somit entspricht es nicht dem Geist der Grundwerte des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Niedersächsischen Verfassung und steht dem Auftrag der Schule entgegen, „die Wertvorstellungen zu vermitteln, die diesen Verfassungen zugrunde liegen“. Es muss also aus der Sicht unseres demokratischen Staates und des Bildungsauftrags öffentlicher Schulen als in höchstem Maße anstößig bezeichnet werden.

Seit Jahrzehnten schon wurden immer wieder vergeblich Einwände gegen dieses Denkmal in Duderstadt vorgetragen. Dass hier Abhilfe zu schaffen sinnvoll sei, hat das Amt für Schule, Sport und Kultur des Landkreises Göttingen, also Herr Wucherpfennig, mit Schreiben vom 1.3.2006 an die Geschichtswerkstatt Duderstadt anerkannt. Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen dieses Amtes der Kreisverwaltung war, das Denkmal als historisches Zeugnis des „chauvinistisch-nationalistischen Denkens“ in weiten Teilen des früheren „(Bildungs-)Bürgertums der Stadt“ Duderstadt zu erhalten, es aber um eine heute angemessen erscheinende andere Sichtweise zu ergänzen. Letzteres zumindest ist unerlässlich, weil, wie dargestellt, das Denkmal von zeitgeschichtlicher Bedeutung ist. Die 2006 begonnenen Überlegungen haben jedoch bis heute immer noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Wir sind der Ansicht, 65 Jahre nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 sei es längst überfällig, diesem Dokument des Militarismus, wenn es schon nicht geschleift wird, ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen, das mit dessen verhängnisvoller Denkweise bricht und den Friedenswillen hervorhebt. Deshalb stellen wir den obigen Antrag und hoffen, das Friedensdenkmal im November 2010 einweihen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
gez. Götz Hütt
(Vorsitzender)

Duderstadt, den 27.4.2010

Kriegsgräber

Anfrage der Geschichtswerkstatt Duderstadt an die Stadt Duderstadt

Mehr als 90 Gräber von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus der NS-Zeit sind auf dem städtischen Friedhof in Duderstadt für den Besucher nicht mehr auffindbar. Die Geschichtswerkstatt hat deshalb eine Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet.

Weitere Informationen auf der Seite Kriegsgräber.